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Wenn man Musik kaum noch „live“ erlebt

Wenn man Musik kaum noch „live“ erlebt

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Neulich ist mir mal aufgefallen, dass ich schon ewig keinen Live-Auftritt und auch kein Konzert mehr besucht habe. Das war früher irgendwie anders.

Es gab Zeiten, da gehörte Live-Musik in unserem Freundeskreis zum festen Wochenendprogramm. Egal ob der kleine Club in der Stadt oder die ganz großen Konzerte in ausverkauften Hallen oder Stadien – wenn es irgendwie finanziell und zeitlich möglich war, haben wir uns Bands oder andere Live-Acts in der Umgebung gerne und oft angesehen. So kam ich auch in den Genuss unvergesslicher Konzerte von den großen Bands meiner Zeit wie Depeche Mode, U2 oder Die Toten Hosen. Aber auch zu allem, was aus der Techno- und Clubszene in den Neunzigern Rang und Namen hatte, war uns damals kaum ein Weg zu weit. Egal ob Westbam, Hardsequencer, Paul van Dyk oder Charly Lownoise & Mental Theo – alle haben wir mindestens einmal beim Live-Act bewundert und gebührend gefeiert.

Wenn man alt wird …
Heute sind wir natürlich etwas älter und gesetzter. Wenn es die ganzen Eltern mit ihren kleinen Kindern schaffen, dann treffen wir uns bestenfalls noch zum gemeinsamen Essen oder mal zu einem kleinen Festival – am liebsten aber nachmittags und nicht mehr nachts. Nicht, dass man mich falsch versteht: auch ich ziehe inzwischen immer seltener am Wochenende durch Bars und Clubs und oft mag ich einen ruhigen Filmabend mit Freunden oder Tapas und Wein beim Spanier mit meiner Frau deutlich lieber. Ja, auch ich bin bequem geworden. Keine Frage. Und doch merke ich, dass mir ein wenig Live-Musik von Zeit zu Zeit wirklich gut tut. Es ist eben doch eine ganz andere Art des Musikhörens.

Musik, nicht nur zum Hören
Am letzten Wochenende war es dann nach langer Zeit mal wieder soweit. Eine befreundete Band aus dem Ruhrpott hatte uns zu einem kleinen Konzert nach Duisburg eingeladen. Eine winzige Location, vielleicht 50 Gäste, aber eine Stimmung wie ich sie lange nicht erlebt habe. Und obwohl die kleine Bühne schlecht ausgeleuchtet und der Sound katastrophal abgemischt war, schien das niemanden vom Feiern abzuhalten. Auch mich nicht. Während die Band namens „Kruste“ ihre Songs herrlich unperfekt mal schief und mal zu laut ins Publikum schmetterte, tanzte ein Mann mit einem deutlichen Bierbauch in einem hautengen, schneeweißen Ganzkörperanzug ekstatisch in der ersten Reihe – angefeuert vom Rest der Menge. So etwas kann man eben nur live erleben.

Ich habe mir jedenfalls fest vorgenommen, wieder sehr viel öfter auf Konzerte zu gehen. Nicht mehr jedes Wochenende, aber mindestens einmal im Monat – und sei es nur für die unbekannte Band in der Kulturkneipe um die Ecke. Schließlich gibt es so viele Bands und Künstler, die man noch nicht gehört oder gesehen hat. Und wenn man mal ganz ehrlich ist: Musik erlebt man nicht wirklich über Streaming-Dienste, sondern mit all ihren Facetten im Grunde nur live.


KEYS Ausgabe 01/2020


Die komplette Kolumne und weitere Artikel gibt’s in KEYS-Ausgabe 01/20


Wann habt ihr zuletzt Live-Musik gehört? Ich freue mich eure auf Kommentare!

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