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Wenn die Musikwelt nur noch von Fake-DJs und Ghost-Producern regiert wird

Wenn die Musikwelt nur noch von Fake-DJs und Ghost-Producern regiert wird

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Der Musikmarkt befindet sich in einer schweren Krise. Wo einst die Liebe zur Musik regierte, dominieren jetzt geldgierige Fake-Künstler und deren machtbesessene Produzenten die Charts mit ihrem musikalischen Einheitsbrei. Nur ein House-DJ und sein Verbündeter stellen sich der Herausforderung und kämpfen auf offener Straße gegen das Böse der Musikindustrie. Total unrealistisch und völlig übertrieben? Dann lohnt sich ein musikalisch-spielerischer Ausflug in die Welt von „Ghosts’n DJs“.

Es ist sicherlich nicht alltäglich, dass sich Musiker an die Erstellung eines Videospiels herantrauen. Der spanische House-DJ „Dr. Kucho!“ hat es unter Mithilfe seines kanadischen Kollegen „deadmau5“ dennoch gewagt. Herausgekommen ist ein kurzweiliges, durchaus gelungenes PC-Spiel in feinster Pixel-Art-Optik, das seit Kurzem kostenlos über die Spieleplattform Steam erhältlich ist.
Die Ähnlichkeit zu Capcom‘s Automaten-Klassiker „Ghosts ’n Goblins“ ist dabei nicht nur im Namen zu erkennen. Auch optisch erinnert alles an den Run and Gun-Platformer aus den 80er Jahren. Wir spielen den musikalischen Helden Dr. Kucho höchstpersönlich und versuchen die eingangs so düster beschriebene Musikwelt wiederherzustellen. Natürlich müssen wir dazu neben etlichen Geistern auch die erklärten Feinde des Protagonisten besiegen. Und anders als im Original sind diese eben keine Goblins, sondern … nun ja, DJs. Pixel-Bösewichte wie Devil Goata, Paul Douchebag, Paris Sheraton, Steve Karaoki oder Pete Bullshit tauchen aus allen möglichen und unmöglichen Ecken der Stadt auf und machen Jagd auf uns und unsere musikalischen Erneuerungspläne. Lust auf ein kleines Namens-Quiz? Es dürfte nicht allzu schwer zu erraten sein, welche prominenten Künstler sich hinter diesen Fantasienamen verbergen. Zumindest bei dreien war ich mir auf Anhieb sicher.

Who cares about music?
Wenn schon Musiker ein Videospiel erschaffen, wundert es nicht, dass sie auch gleich für einen ordentlichen Soundtrack sorgen. Neben Stücken von Dr. Kucho hat auch deadmau5 einige EDM-Songs beigesteuert, die das wuselige Geschehen auf dem Bildschirm akustisch mit Leben füllen. Etliche Soundeffekte wurden dabei mithilfe von Chiptune-Soundchips wie dem MOS6581 aus dem legendären Commodore 64 kreiert. So sieht das Spiel nicht nur aus wie aus dem letzten Jahrhundert – es klingt auch so.

No talent? No problem.
Die politische Botschaft ist klar: Geld regiert die Musikwelt. Wer kein Talent, dafür aber einen Haufen Kohle hat, kann sich einen Platz in den Charts quasi erkaufen. In Zeiten, in denen es durchaus vorkommt, dass gutverdienende Künstler ihre Arbeit von Ghost-Producern erledigen lassen, ist das Szenario aus Ghosts’n DJs nicht ganz weit hergeholt – auch wenn hier insgesamt vielleicht etwas überdramatisiert wurde. Am Ende bleibt es eben ein Spiel, und sogar ein recht unterhaltsames. Für die nächste Kreativpause kann ich Ghosts’n DJs daher absolut empfehlen. Vor allem, wenn man mal wieder genervt und gelangweilt ist vom elektronischen Dance-Einerlei in den Charts, kann man sich hier ganz wunderbar abreagieren. Let’s rock!


KEYS Ausgabe 05/2020


Die komplette Kolumne und viele weitere Artikel gibt’s in KEYS-Ausgabe 06/20


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