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VST-Plug-ins unter Ubuntu, Teil 1: Die Hard- und Software

VST-Plug-ins unter Ubuntu, Teil 1: Die Hard- und Software

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Heute starte ich mal eine kleine Serie, in der ich versuche „systemfremde“ Windows-VST-Plug-ins unter Linux zum Laufen zu bringen. Der erste Teil verschafft einen grundsätzlichen Überblick über die verwendendeten Komponenten und die eingesetzte Software.

Als Linux-Musiker muss man leider immer noch viel zu oft auf beliebte Plug-ins verzichten. Windows- und Mac-Version von VST-Instrumenten und -Effekten gibt es wie Sand am Meer, aber nur wenige lobenswerte Beispiele wie u-he, Tracktion oder Moddart bedienen darüber hinaus auch den Linux-Markt. Zum Glück aber gibt es unter den Linuxern einige clevere Entwickler, die uns geniale Tools zur Seite stellen, mit denen ein ursprünglich für Windows geschriebenes Plug-in in vielen Fällen auch unter Linux funktioniert. Leider aber längst nicht immer.

Und das ist natürlich auch kein Wunder, denn all das ist und bleibt nur ein Workaround. Falls ihr also vorhabt, mit über Umwege eingebundenen Windows-Plug-ins unter Linux ernsthaft Musik zu machen, dann sollte Euch stets bewusst sein, dass diese unter Umständen unvorhersehbar anders reagieren als auf dem System, für das sie entwickelt wurden.

Das reicht von Fehlern in der Darstellung und Sound-Problemen bis hin zu fehlender Funktionalität einzelner Programmteile oder unvermittelten Plug-in-Abstürzen. Teilweise werden sie aber auch einfach gar nicht funktionieren – besonders dann nicht, wenn aufwändige Kopierschutzmaßnahmen oder gleich ganze Software-Lizensierungs-Center nötig sind. Alle Plug-ins, die z. B. iLok voraussetzen, kann man unter Linux getrost vergessen. Auch Arturia- oder Waves-Plug-ins habe ich bisher noch nicht ernsthaft zum Laufen bekommen.

Der bessere Weg ist und bleibt daher: Schreibt die Software-Hersteller an und fragt nach Linux-Versionen Eurer Lieblings-Plug-ins! Denn nur so kommen wir vielleicht irgendwann auch in den Genuss von eigenen, nativen Plug-in-Versionen für unser System und müssen diese holprigen Umwege gar nicht mehr gehen …

HINWEIS:
Im Folgenden beschreibe ich meine Vorgehensweise, die nicht zwingend bei Euch genauso sein muss. Vielleicht gibt es auch andere/bessere Wege, jedoch mangelt es gerade beim Thema Musik und Linux noch erheblich an guten Dokumentationen und Tutorials im Internet. Auch ich musste mir erst alles mühsam zusammensuchen und für meine Bedürfnisse anpassen. Hinzu kommt, dass es eine Vielzahl an Distributionen mit unterschiedlichen Paketen und Software gibt. Pauschale Vorgehensweisen sind daher kaum oder gar nicht möglich. Aus diesem Grund halte ich mich in meiner Beschreibung sehr strikt an meine eigene Vorgehensweise – alles andere könnte ich auch gar nicht, denn auch ich bin kein echter Linux-Experte, sondern nur ein Anwender. Vielleicht hilft es ja dennoch dem einen anderen Neueinsteiger in Sachen Musik unter Linux, um die ersten Hürden zu überwinden.

Die Grundvoraussetzungen:
Um meine Schritte möglichst erfolgreich nachvollziehen zu können, erkläre ich kurz die einzelnen Systemkomponenten, die letztlich bei mir zur Einrichtung eines stabilen und für meine Anforderungen nahezu perfekten Musikrechners geführt haben.

Der mobile Rechner:
Um möglichst mobil zu sein, habe ich mich vor einiger Zeit entschlossen, in den meisten Fällen auf einen großen Desktop-PC mit unnötigem Outboard-Equipment zu verzichten und stattdessen ein einigermaßen flottes Notebook als Musik-Zentrale einzusetzen. Seitdem werkelt bei mir ein Asus VivoBook S14 mit einem Intel Core i5-8250U-Prozessor, 8 GB RAM und einer schnellen 256 GB SSD-Festplatte.
Als Audio-Interface nutze ich das immer noch hervorragende Focusrite Scarlett 2i2 der zweiten Generation, das ich mir damals im Bundle mit Kopfhörern und Kondesatormikrofon gekauft habe.
Als Controller-Keyboard ist bei mir ein Arturia Keylab 61 im Einsatz. Und eigentlich reicht dieses Setup auch schon für die allermeisten Anwendungsfälle. Mein großer Desktop-PC mit Mixer und diverser Musikhardware wird tatsächlich nur noch selten genutzt.

Ubuntu 18.04:
Als Betriebssystem nutze ich Ubuntu 18.04 in der LTS-Version. Da ich auf meinem Musik-Rechner häufige Neu-Installationen möglichst vermeiden möchte, nutze ich die zum Zeitpunkt dieses Beitrags aktuelle Langzeit-Version von Ubuntu (Long Term Support), die offiziell noch bis mindestens 2022 unterstützt und mit Updates versorgt wird. Ubuntu ist bei mir seit ca. 2010 im Einsatz und bisher war ich immer zufrieden, vor allem was die Stabilität und die Ressourcen im Internet betrifft.
Auch Ubuntu Studio kann übrigens sehr gut für den Musik-Rechner benutzt werden. Der speziell auf Musik-, Grafik- und Videobearbeitung zugeschnittene Abkömmling von Ubuntu bringt neben einem speziellen Low Latency-Kern auch gleich noch eine ganze Reihe an Software mit. Wer sich dafür interessiert, dem lege ich die Ausgabe 07/2019 des KEYS Magazins ans Herz. Hier stelle ich die Distribution ausführlich vor und gebe eine Schritt für Schritt-Anleitung von der Auswahl der geeigneten Hardware über die Installation des Systems bis hin zu den ersten Schritten in der DAW.

PlayOnLinux:

PlayOnLinux ist ein erweitertes Frontend für WINE, das die Einrichtung und Konfiguration von virtuellen Windows-Partitionen und -Anwendungen erheblich vereinfacht. WINE erzeugt im Grunde eine weitgehend geschützte, virtuelle Windows-Umgebung, in der sich Windows-Anwendungen in vielen Fällen installieren und ausführen lassen. So ist es z. B. möglich, eine .exe-Datei auch innerhalb von Ubuntu per Doppelklick ausführen zu können. PlayOnlInux kann direkt aus dem Ubuntu-Software-Center heraus installiert werden.

Airwave VST:

Airwave ist ein Tool, das eine Art VST-Bridge mittels WINE erschafft. Auf diese Weise lassen sich Windows-Plug-ins zumindest in einigen Fällen in Linux-lesbare .so-Dateien umwandeln, die dann von der DAW-Software wie z. B. Tracktion Waveform, Ardour oder Bitwig Studio als VST-Plug-ins erkannt und ausgeführt werden können. Geniale Sache, zumindest wenn es funktioniert. Es gibt auch andere Lösungen, um Windows-VSTs unter Linux zum Laufen zu bringen, wie z. B. LinVST oder Carla. Derzeit verwende ich jedoch ausschließlich Airwave, das es in einem bereits für Ubuntu kompilierten Paket zum Download gibt.

Bitwig Studio 2.4:

Als DAW nutze ich derzeit Bitwig Studio in der Version 2.4. Leider wurde Bitwig’s Plug-in-Management mit Version 2.5 komplett überarbeitet und seitdem funktionieren (zumindest bei mir) die über Airwave eingebundenen VSTs nicht mehr. Bis dafür eine Lösung gefunden wurde, bleibe ich vorerst bei Version 2.4. Tatsächlich hat auch diese Version schon Schwierigkeiten mit Plug-ins, die in virtuellen 64 Bit-Windows-Partitionen laufen. Die stabilste Version für systemfremde Plug-ins ist immer noch Bitwig 1.3.6. Natürlich hat sich aber seitdem enorm viel getan und auf eine Vielzahl der neueren Bitwig-Funktionen möchte ich ungern verzichten. Daher lebe ich derzeit mit dem Kompromiss – aber dazu später mehr.
Natürlich können auch andere DAWs als zentrale Musiksoftware unter Ubuntu genutzt werden, wie z. B. Tracktion Waveform (aktuell in der Version 10) oder das kostenlose Ardour, das sich ganz einfach über den Software-Center installieren lässt. In meinem Fall teste ich die Plug-ins vorrangig unter Bitwig, plane aber zumindest mittelfristig auch kurze Funktionstests mit den anderen gängigen Linux-DAWs.

Zusammenfassend noch einmal die Software, die ich aktuell einsetze mit den entsprechenden Links:

 
Im zweiten Teil der kleinen Serie installieren wir die vorgestellte Software und bereiten unser System auf seine neue Aufgabe als Windows-Plug-in-Host vor … 😉

Ich freue mich auf eure Kommentare!

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