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Musik-Hardware und ihre Verkabelung

Musik-Hardware und ihre Verkabelung

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Neulich ist mir aufgefallen, dass sich die Hardware in Sachen Musikproduktion in manchen Fällen immer noch nicht wirklich dem aktuellen Stand der Technik angeglichen hat. Wenn man z. B. das Videosignal des Musikrechners über HDMI, den Sound aber übers Audio-Interface schicken will, ist das mit einfachen Mitteln schlicht unmöglich.

Ich habe einen Musik-PC, der per HDMI mit einem Monitor und über einen AV-Receiver zusätzlich mit einem Beamer verbunden ist. Das per USB angeschlossene Audio-Interface wird für die Musikproduktion verwendet. Soweit, so normal. Möchte ich jetzt einen Film schauen und den Ton über die Stereo-Anlage hören, stelle ich den Ausgang des PCs einfach auf HDMI, damit die interne Grafik-/Soundkarte verwendet wird. Klappt auch wunderbar. Möchte ich jetzt aber das Output-Signal meines Audio-Interfaces über die Anlage hören, bleibt mir nur eine separate Verkabelung, bei der ich dann meinen Verstärker z. B. auf CD stelle – natürlich habe ich dann aber kein Bild mehr. Vielleicht sehe ich ja auch den Wald vor lauter Bäumen nicht und vielleicht liegt es auch an meiner Hardware, aber irgendwie müsste das doch einfacher zu bewerkstelligen sein. Fakt ist, mein AV-Receiver lässt sich nicht dazu überreden, das Audiosignal aus einer anderen Quelle als dem HDMI-Kabel zu beziehen. Mein Audio-Interface hat aber naturgemäß keinen HDMI-Ausgang. Bisher habe ich fast ausschließlich über Kopfhörer und die angeschlossenen Abhörmonitore Musik gemacht. Somit hat mir das im Grunde nichts ausgemacht. Aber man will doch hin und wieder auch mal den kompletten Mix in voller Lautstärke über die Boxen hören. Und da merkt man dann doch, dass Musikproduktion immer noch irgendwie eine Insellösung ist.

Überhaupt merkt man an allen Ecken und Enden, dass Musik-Hardware sich längst nicht so rasant weiterentwickelt wie es auf anderen technischen Gebieten der Fall ist. Während die Unterhaltungselektronik mit WLAN, Bluetooth, Screen-Mirroring und dergleichen immer kabelloser wird, bin ich im Studio immer noch dazu verdammt, meterweise Strippen durch die Gegend zu ziehen.
Für das schnelle Einspielen von ersten musikalischen Ideen nutze ich z. B. gerne ein kleines und recht einfaches Keyboard, das ich in der Nähe meiner Couch stehen habe. Natürlich muss auch dieses an den Rechner angeschlossen werden, weshalb ich für die „Mobilität“ ein mehrere Meter langes USB-Kabel benutze, über das ich dann regelmäßig stolpere. Auch hier frage ich mich ernsthaft, warum es dafür noch keine kabellose Lösung gibt? Natürlich spielen im Musikbereich Latenzen eine große Rolle und ein Klang muss sofort ausgelöst werden, sobald ich eine Taste drücke. Aber das sollte doch in so einem Fall inzwischen kein Problem mehr sein. Zumal die Datenmengen, die von einem Controller-Keyboard zum PC geschickt werden wohl verschwindend gering dürften im Vergleich zu dem, was wir alltäglich über unsere WLAN-Netzwerke schicken.
Es wird Zeit, dass sich auch die Hersteller von Musik-Hardware so langsam von ihren erprobten Standards trennen oder sie zumindest überdenken. Denn tatsächlich warten wir Musiker gespannt auf echte technische Innovationen, die das Musik machen etwas leichter in unseren Alltag integrieren.


KEYS Ausgabe 11/2019


Die komplette Kolumne gibt’s in KEYS-Ausgabe 11/19


Wie sieht bei euch der „Kabelsalat“ aus? Ich freue mich eure auf Kommentare!

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In der KEYS-Kolumne schreibe ich über Themen, mit denen Musiker tagtäglich zu kämpfen haben - vom unbeherrschbaren Kabelsalat hinter dem Studio-Rack über das lästige Neu-Aufsetzen des Betriebssystems bis hin zu ganz allgemeinen Aufregern wie Plagiatsvorwürfen im Pop-Business oder "Last Christmas" im Radio.

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