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Der Wertverlust von Musik-Hardware

Der Wertverlust von Musik-Hardware

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Mein Plan, mein musikalisches Umfeld etwas zu reduzieren und mich damit von unnötigem Ballast zu trennen geht nun in die heiße Phase. Ernüchternd ist allerdings ein Blick auf die Gebrauchtpreise von alter Hardware.

Wie bereits in der ein oder anderen Kolumne erwähnt, trenne ich mich aktuell nach und nach von wenig oder gar nicht mehr genutzten Dingen aus meinem Studio, damit ich insgesamt mobiler und etwas „leichtgewichtiger“ werde.
Am letzten Wochenende habe ich dann tatsächlich mein großes 19-Zoll-Rack komplett entkabelt und ausgeräumt. Die wenigen Geräte, von denen ich mich nicht trennen konnte, werkeln nun zukünftig gemeinsam mit dem Audio-Interface in einem kleinen Tischrack mit sechs Höheneinheiten. Das muss reichen.
Von den ausrangierten Hardwarekomponenten habe ich alle zugehörigen Kabel und Bedienungsanleitungen herausgesucht, die Geräte hier und da etwas entstaubt, noch einmal getestet und dann Fotos gemacht – in der Hoffnung, zumindest einen Teil der Sachen gewinnbringend veräußern zu können. Aber damit lag ich völlig daneben.

Wenn man sich die Preise ansieht, für die alte Synthesizer und Effektgeräte momentan ihren Besitzer wechseln, dann ist das doch eher mager. Sicherlich habe ich auch nicht die ganz exotischen Perlen in meinem Besitz, aber selbst für einen gut erhaltenen Roland Synthesizer aus den 80er-Jahren bekommt man heute kaum mehr als 300 Euro auf dem Gebrauchtmarkt. Von Effektgeräten mal ganz zu schweigen. Daran dürfte der aktuelle Hardware-Boom wohl nicht ganz unschuldig sein. Gerade die etablierten Hardware-Entwickler haben in den letzten Jahren immer wieder Neuauflagen ihrer legendären Geräte auf den Markt gebracht. Dazu gesellen sich ganz neue Kreationen, die den Charme der alten Technik neu inszenieren, um so z. B. den Sound von damals mit den Features von heute kombinieren zu können. Und nicht zu vergessen: zu nahezu jeder „Legende“ gibt es mindestens ein, wenn nicht mehrere gute Plug-In-Alternativen. Wer braucht da noch ernsthaft einen Synthesizer aus den 70ern oder 80ern, der unter Umständen noch nicht einmal MIDI-Anschlüsse besitzt?

Und doch stimmt mich der Wertverfall betagter Hardware irgendwie wehmütig, vor allem wenn ich mich daran erinnere, wie lange ich damals sparen musste, um mir eines der Geräte leisten zu können. Selbst für absolute Low-Budget-Hardware wie ein Effektgerät von Behringer und einen Yamaha-Synthesizer musste ich einen kompletten Sommer lang in den Ferien jobben. Aber Fakt ist eben auch: die Geräte werden nicht besser, wenn sie nur Staub ansetzen und nicht mehr benutzt werden. Von daher fühle ich mich mit jedem verkauften Stück Hardware tatsächlich auch ein wenig erleichterter. Gerade hat noch jemand angerufen, der meine USB-Gitarre kaufen möchte. Nicht etwa, um darauf zu spielen, sondern als Abschiedsgeschenk für einen Kollegen. Dafür suchte er eine weiße Gitarre, auf der alle unterschreiben können. Bezeichnend irgendwie …


KEYS Ausgabe 12/2019


Die komplette Kolumne und weitere Artikel gibt’s in KEYS-Ausgabe 12/19


Wie erlebt ihr den Wertverlust von Musik-Hardware? Ich freue mich eure auf Kommentare!

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In der KEYS-Kolumne schreibe ich über Themen, mit denen Musiker tagtäglich zu kämpfen haben - vom unbeherrschbaren Kabelsalat hinter dem Studio-Rack über das lästige Neu-Aufsetzen des Betriebssystems bis hin zu ganz allgemeinen Aufregern wie Plagiatsvorwürfen im Pop-Business oder "Last Christmas" im Radio.

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