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Der Kabelsalat hinter dem 19“-Rack

Der Kabelsalat hinter dem 19“-Rack

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Neulich habe ich mich entschlossen, eines meiner nicht genutzten Outboard-Effekte zu verkaufen und damit meiner neuen Marschrichtung zu folgen, mich nach und nach von unnötigem Ballast zu trennen. Innerhalb von Minuten war das alte Multi-FX-Gerät abfotografiert und als Kleinanzeige eingestellt. Was ich nicht bedacht hatte war, dass ich auch das Netzteil irgendwie aus dem Kabelsalat hinter dem 19-Zoll-Rack entwirren musste.

Ein Blick hinter mein Geräte-Rack ist wirklich etwas gruselig. Ungefähr zwölf verschiedene Stromquellen laufen kreuz und quer über diverse Mehrfachsteckdosen zu gerade mal zwei Steckdosen in der Wand. Wenn das unser Elektriker sehen würde, müsste er mein Studiozimmer vermutlich aus Sicherheitsgründen stilllegen. Dazu gesellen sich Dutzende MIDI-, Klinken- und XLR-Kabel, die sich in allen lustigen Farben des Regenbogens hinter Schreibtisch und Rack miteinander verknoten. Wie soll ich da jemals das richtige Netzkabel finden?

Es nützt nichts. Da muss ich jetzt durch, auch wenn ich dafür ganz, ganz tief in das Kabelknäuel eintauchen muss. Zuerst also diverse Leitungen, die irgendwie nach Netzkabel aussehen mit den Fingern abfahren, um zu sehen wo sie anfangen und wo sie aufhören. Und immer mal wieder an einem Ende etwas ziehen, um zu schauen, ob sich am anderen Ende etwas bewegt. Dabei kauere ich eine gefühlte Ewigkeit in höchst unnatürlicher Haltung irgendwo zwischen Rack und Schreibtisch. Währenddessen reift in mir die Erkenntnis, dass ein reines Software-Studio eigentlich ausschließlich Vorteile hat. Als ich das passende Netzteil endlich gefunden habe, balanciere ich es vorsichtig aus dem Restknäuel heraus, um bloß nicht versehentlich einen anderen Stecker zu ziehen.

Vorsichtig schiebe ich das Gestell wieder zurück in Richtung Wand und bin froh, dass ich bei meiner Aktion keinen größeren Schaden angerichtet habe. Eines ist mir dabei aber einmal mehr klar geworden: ich brauche inzwischen deutlich weniger Equipment als ich hier tatsächlich herumstehen und verbaut habe. Nicht alles, aber immerhin so manche Dinge sind inzwischen besser, schneller und einfacher mit Software zu bewerkstelligen. Meine nächste „Ballast-Verkaufsaktion“ ist gedanklich jedenfalls schon fest geplant. Mindestens einmal muss ich also noch hinter das Rack des Grauens …


KEYS Ausgabe 07/2019


Die komplette Kolumne gibt’s in KEYS-Ausgabe 07/19


Wie sieht es bei euch hinterm Rack oder Schreibtisch aus? Ich freue mich eure auf Kommentare!

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In der KEYS-Kolumne schreibe ich über Themen, mit denen Musiker tagtäglich zu kämpfen haben - vom unbeherrschbaren Kabelsalat hinter dem Studio-Rack über das lästige Neu-Aufsetzen des Betriebssystems bis hin zu ganz allgemeinen Aufregern wie Plagiatsvorwürfen im Pop-Business oder "Last Christmas" im Radio.

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