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Laut gedacht – Mr. Robot macht mir Angst!

Mr. Robot macht mir Angst!

Laut gedacht – Mr. Robot macht mir Angst!

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Heute starte ich mal einen neuen Blog. In ähnlichem Stil wie die „Das nervt!“-Kolumne soll es in „Laut gedacht“ um alle Themen jenseits von Musik und Musikproduktion gehen, die mich sonst noch beschäftigen. Beginnen möchte ich mit ein paar Gedanken zur Amazon-Serie „Mr. Robot“, die mich verwirrt, ratlos und ja, sogar etwas verängstigt zurückgelassen hat. Für alle, die Mr. Robot noch sehen wollen – keine Angst: kein Spoiler-Alarm.

Ich habe vorgestern die letzte Folge der Serie Mr. Robot bei Amazon Prime gesehen. Zumindest die vorerst letzte, eine zweite Staffel soll wohl demnächst folgen. Und jetzt hab ich Angst. Aber dazu später mehr …

Worum geht’s?

Mr. Robot ist eine Amazon-Eigenproduktion und kann für Prime-Kunden kostenlos über Amazon Video gestreamt werden. Der US-Technothriller begleitet den jungen Programmierer, Schrägstrich Hacker Elliot Alderson, der offensichtlich an krassen Persönlichkeitsstörungen leidet. Nur als Beispiel: Elliot hackt alle Personen in seinem Umfeld, weil er nur so die Menschen wirklich kennenzulernen glaubt. Er schaut sich deren Facebook-Posts an, liest alle E-Mails mit und zieht seine Schlüsse aus Kontobewegungen und Einkäufen. Zu allem Übel versucht auch noch ein mysteriöser Mr. Robot ihn für seine anarchistische Hackergruppe zu rekrutieren, deren einziges Ziel es ist, eines der mächtigsten Unternehmen der Welt zu hacken. Blöderweise arbeitet Elliot bei einer Cybersecurity-Firma, die eben jenes Unternehmen vor solchen Angriffen schützen soll. Kein Wunder eigentlich, dass der arme Tropf sein Leben nur bedingt im Griff hat.

Die ganze Serie ist naturgemäß sehr Technik- und Computer-lastig. Tatsächlich glaube ich, dass ich noch nie eine Serie oder einen Film gesehen habe, bei dem derart detailiert die vermeintlich böse Seite der IT beleuchtet wurde. Trojaner, Firewall und Brute-Force-Attack kennt man vielleicht noch, aber Begriffe wie Backdoor, Exploits oder Daemons sind vermutlich nicht jedermann bekannt. Macht aber auch nichts, denn man versteht die Serie auch dann, wenn man kein IT-Experte ist. Ein bißchen Technik-Affinität schadet allerdings nicht.

Ein Plan und seine möglichen Folgen

Jedenfalls verstrickt sich dieser Elliot immer tiefer in die Machenschaften zwischen Großkonzern und Weltverbesserern. Gepaart mit seinen Persönlichkeitsstörungen wird das im Laufe der Serie zu einer explosiven Mischung, die zumindest mich voll in ihren Bann gezogen hat. Wenn man es auf einen Punkt bringen müsste, ginge es am Ende um die Absicht den bösen, alles beherrschenden Mega-Konzern zu vernichten. Und zwar dadurch, dass einfach alle Daten (online wie offline) unwiederruflich gelöscht werden. Im Ergebnis würde es keine Vernetzung mehr zwischen den Banken geben, Konten, Kredite und Guthaben wären schlicht nicht mehr vorhanden. Kreditkarten hätten keinen Wert mehr, ebensowenig wie Aktien oder Wertpapiere. Die Folge wäre unweigerlich ein Kollaps der kompletten Waren- und Finanzwirtschaft und endlich die vermeintliche Freiheit wiederzuerlangen, die wir alle an die Kontrollorgane der Wirtschaft abgegeben haben. Das zumindest ist das Ziel der Hackergruppe um Mr. Robot.

Ob sie den Plan tatsächlich durchziehen oder oder nicht, lasse ich an dieser Stelle mal offen. Aber die Vorstellung hat mich am Ende doch irgendwie beschäftigt. Wäre so etwas möglich? Und wenn ja, wäre es unterm Strich positiv oder negativ? Und was bedeutet überhaupt Freiheit? Ist das, was wir aktuell haben die höchste Form der Freiheit und Unabhängigkeit oder wären wir nicht vielleicht glücklicher ohne die Zwänge, die uns die digitalen Möglichkeiten Tag für Tag auferlegen? Nach Mr. Robot’s ultimativen Hackerangriff wären reiche Menschen plötzlich ihr gesamtes Geld los, während die Armen auf einmal keine Schulden mehr hätten. Mir ist klar, dass das alles sehr simpel gedacht ist und dass es im wahren Leben wohl kein Unternehmen gibt, dass auch nur annähernd soviel Einfluss auf die Weltwirtschaft hat – noch nicht einmal Google und Amazon zusammen. Aber geben wir uns der Illusion für einen Moment hin. Denn genau das will die Serie schließlich – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Während der Abspann der letzten Folge lief war mein erster Impuls: „Junge, Du musst dringend mehr Dinge in Papierform lagern!“. Scheiß auf Cloudspeicher und Online-Profile, der gute alte Aktenordner ist dein Freund! Und vor allem Bargeld! Zugegeben, wenn ich darüber nachdenke, macht mir das schon ein wenig Angst. Allein die Tatsache, dass schon meine Online-Aktivitäten ein komplettes Bild über mich als Person abgeben, ist nicht gerade beruhigend. Klar weiß ich, dass ich nicht alles posten sollte, was mir durch den Kopf geht oder vor die Kameralinse kommt. Auch dass ich selbst verantwortlich bin für das, was man über mich online findet, ist mir durchaus bewusst. Aber was nutzt mir alle Vorsicht, wenn am Ende an irgendeiner Stelle alle meine Daten zu einem zweifelhaften Profil zusammengezogen werden, auf das ich keinen Einfluss mehr habe. Wenn ich plötzlich keinen Hausbau-Kredit bekomme, weil irgendwelche IT-Mechanismen aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen davon abraten. Ich weiß nicht, ob mir da der komplette Kollaps nicht am Ende lieber wäre. Ein Gutes hätte ein solches Szenario auf jeden Fall: ich müsste mir endlich nicht mehr meine 70 verschiedenen Zugangsdaten, Benutzernamen und Passwörter merken.

Was meint ihr? Die Diskussionsrunde ist eröffnet … 😉

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